Junge Helden


Die Zukunft gehört der Jugend. . .

Stellvertretend für diese unumstössliche Tatsache steht der ausverkaufte Musikabend in Winti. Kaum eine andere Stadt ist so stolz und engagiert wenn es um den eigenen Musikevent geht. Es herrscht der Ausnahmezustand um die Stadtkirche herum.

Die Altstadt ist voll mit jungen Menschen. Die Annenmaykantereitmania scheint ausgebrochen zu sein. Doch bevor es soweit ist, dass die jungen Helden Winti in ihren Bann ziehen, müssen die Surfer ran. Ocean Alley heissen die sechs Jungs aus Down Under. Sie wurden in ihrer Heimat vor kurzem vom grössten Radiosender Triple J. für den «Besten Song des Jahres» ausgezeichnet. Entsprechend solide war auch der Auftritt. Vieles was man zu hören bekam, war easy und lässig gespielt, aber irgendwie austauschbar. Die Stimmung im Publikum war entspannt, die Steinberggasse wie immer ein stimmungsvoller Rahmen für tolle Konzerte in der Altstadt.

Alice Phoebe Lou – Galaxien im Ohr
Nun begann aber definitiv der Abend der Jugend! Ocean Alley? Geschichte! Den Anfang machte Alice Phoebe Lou. Für Viele immer noch eine Unbekannte. Ich hatte das Vergnügen Alice im Liszto Club am Jazzfestival in Montreux in Hochform erleben zu dürfen.  Hier in Winti wollte der Funken nicht so richtig zünden. Zum einen lag es daran, dass Alice nicht ganz gesund war.  Zum Anderen wurde ich das Gefühl nicht los, dass dieses grosse Auditorium nicht so recht zu ihr passte. Sie konnte aufgrund der Distanz zum Publikum nicht die gleiche Präsenz erzeugen, wie in Montreux.  Spätestens bei Galaxies wurde jedem klar, die Frau kann singen – und wie! Sie gab alles und das obwohl ihr klar war, dass die Leute vor allem auf eine Band warteten. AnnenMayKantereit! Wie sich herausstellen sollte ist genau diese unglaubliche Offenheit, ohne jedes Stargehabe eine der Stärken sowohl von Alice, wie auch von den Jungs aus Köln. Sie stehen ein für ihre Ideale und Überzeugungen. Womit wir nochmals bei Alice angekommen sind. Man weiss eigentlich gar nicht, wie man die junge Künstlerin einordnen soll. Sie ist tatsächlich ein Mischwesen. Elfenhaft und feingliedrig, kompromisslos in Bezug auf ihre Ideale. Sie schert sich einen Dreck darum, was andere denken! Sie labert nicht einfach über Ungerechtigkeit, Apartheid, sexuelle Übergriffe, nein sie thematisiert sie auf ihre Weise auf Social Media und natürlich auch ein ihren Songs. Dafür verdient sie allerhöchsten Respekt. Und ja! ich bin ein grosser Fan dieser jungen Frau.

AnnenMayKantereit – die Jungs von Nebenan
Der Platz auf der Steinberggasse war bereits kurz vor dem Hauptact mehr als voll. Immer mehr junge Menschen drängten vor die Bühne. Das Konzert sollte zum Fest werden! Henning May erklärte gleich zu Beginn die spezielle Verbundenheit der Band mit Winterthur. 2014 waren die Strassenmusiker noch ein Geheimtipp. Fünf Jahre später nun, sind es Headliner. Es wäre beinahe knapp geworden für einen Auftritt von Annenmaykantereit an den Musikfestwochen. Doch die Kölner Jungs verzichteten auf ein anderes Angebot zugunsten von Winti. Dies wurde vom gut gelaunten Publikum euphorisch bejubelt. Der Abend steigerte sich von einem Höhepunkt zum nächsten, das Gedränge vor der Bühne wurde dichter, blieb aber trotzdem friedlich. Alles drängte nach vorne. Annenmaykantereit hatten die Winterthurer vom Beginn an in ihren Bann gezogen. Henning May und seine Kollegen überzeugten mit toller Präsenz und viel Herz. Da oben standen nicht vier selbstverliebte Stars, sondern die Jungs von nebenan. Ehrlich, spontan und erfrischend anders. Viellicht ist es kein Zufall, dass sowohl Alice Phoebe Lou, als auch Annenmaykantereit als Strassenmusiker eine viel stärkere Verbindung zu den Zuhörern aufzubauen vermögen. Viel zu schnell verflog die Zeit und man wurde das Gefühl nicht los, es könnte auf einmal Schluss sein. Doch die Jungs hatten auch hier eine besondere Überraschung parat. Nach der ersten Zugabe, tauchten die vier kurz darauf am Fenster eines Altstadthauses unverhofft wieder auf und gaben ihre zweite Zugabe. Und wieder war sie deutlich zu spüren, diese Verbundenheit, das Selbstverständnis der Jungen und die Unbeschwertheit. Den Jungen gehört unzweifelhaft die Zukunft. Sie machen kein Geheimnis daraus, dass sie bereit sind das Zepter an sich zu reissen und für ihre Ideale einzustehen. Uns angepassten Alten sollte das zu denken geben!

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