Fotoreise | Montreux 2019

Alle Jahre wieder wenn das Jazzfestival in Montreux stattfindet, packt mich die Sehnsucht. Doch dieses Mal ist alles anders. Warum erfährst du genau hier!

Es sollte der längste Aufenthalt für mich in Montreux werden. Doch die Vorfreude war nicht frei von Enttäuschungen. Meine beiden Akkreditierungen für ZZ Top und Slash wurden vom Veranstalter abgelehnt. Damit hatte ich nicht gerechnet. Aber so ist das Business! Plan B war schnell gemacht. Ich fahre trotzdem und nutze die Zeit um einige interessante Gratiskonzerte zu fotografieren und ein wenig an meinem Workflow zu arbeiten. Will heissen: wie sichte ich direkt vor Ort meine Bilder und bringe sie so schnell wie möglich auf Social Media. Die zweite Aufgabe betrifft das Arbeiten mit meinen Fuji Kameras. Ich wollte schon immer mal verschiedene Filmsimulationen ausprobieren. Warum also nicht gleich in Montreux damit starten. Also nutze ich die Zeit hier, um meine Eindrücke zu Fotografie, der Musik und natülich zur wunderschönen Region in Worte zu kleiden. Lasst mich also mit Tag 1 beginnen:

Es ist Montag 19h und mein erstes Ziel ist das Parkhaus „Gare“. Ich nähere mich dem besagten Parkhaus. Vor mir zwei Fahrzeuge, mit dem identischen Ziel. Die Anzeige der verfügbaren Parkplätze leuchtet schon von weitem rot und die Anzahl steht auf XXX. Doch auch diesmal schlägt die Magie von Montreux zu. 100 Meter vor der Einfahrt wird aus dem roten XXX ein grünes 3 und wir alle finden Platz! Entspannter könnte das Ankommen nicht sein. In meinem Rucksack zwei Kameras. Ich tauche ein in die Welt des Jazz, was natürlich reichlich übertrieben ist. Jazz als Ursprung vieler moderner Musikarten mag sein, aber Jazz hört man hier je länger je weniger. Ich schlendere an den duftenden Foodständen vorbei. Ob Pizza, argentinische Fleischbrocken oder alle möglichen asiatischen Gerichte, es hat für Alle etwas. Auch Montreux hat erkannt, dass nicht alle Besucher Fleischfresser sind. Es gibt tatsächlich auch Vegetarisch und Vegan. Mein erstes Ziel ist ein kühles Bier, ein grünes Curry und Kallidad. Kallidad ist meine erste Fotoaufgabe für diesen Abend. Eine australische Flamenco-Metall Band. Drei Jungs, die mit toller Gesichtsbemalung auftreten und genau wissen, dass die Fotografen, die heute Abend um die Bühne stehen auch genau deswegen hier sind. Um 20h geht es los. Leider etwas früh, denn die Sonne steht hoch und die Lichteffekte verblassen im starken Sonnenlicht. Aber nach 30 Minuten passt alles und ich habe 60 Minuten Spass und einige tolle Bilder im Kasten.

Der Dienstag beginnt für mich mit den Fuji Filmsimulationen. Ich hocke im Hotelzimmer, lese Tipps und Tricks und bastle mir 8 Filmsimulationen zusammen, die ich in den kommenden Tagen ausprobieren will. Dazu gibt es einen interessanten Blog von: den Photologen.
Die ersten zwei Stunden verbringe ich jedoch auf einer Parkbank im Schatten. Die Menüeinstellungen meiner Fuji bringen mich fast zum verzweifeln. So anders als von meiner Sony gewohnt. Wenn man es mal begriffen hat, macht alles Sinn, aber das dauert… Das zweite Problem ist das Licht. Der Jagdspruch von uns Fotografen: „Gut Licht“ ist eine bittere Wahrheit, wenn die Sonne hoch steht und alles durch den Sucher einfach  nur flach aussieht. So war es an diesem Tag. Meine Ausbeute waren zwei gute Bilder. Eines davon mit einer neuen Filmsimulation und eines mit einer meiner Standardeinstellungen. Bin ich zufrieden? Ja! Erstens konnte ich der Versuchung erliegen viele langweilige Fotos zu machen. Zweitens habe ich ja zwei tolle Bilder und einiges dazugelernt.

Der Abend gehörte der Musik. Mein Ziel, der Liszto Club. Dort waren zwei junge Musiktalente am Werk. Zunächst der junge französische Frauenschwarm „Miel de Montagne“. Der Name war Programm. Zuckersüss und vorhersehbar war alles was aus den Lautsprechern klebrig die Teenies weichspülte. Mehr interessierte mich die 25-jährige Südafrikanierin Alice Phobe Lou. In einem Monat werde ich sie auf der Bühne fotografieren, anlässlich der Winterthurer Musikfestwochen. Schon lange war ich nicht mehr so begeistert von einem Konzert. Ein unglaubliches Energiebündel und was da an Stimme, Lebensfreude und Musikalität durch den Raum donnerte war unglaublich. Warum um alles in der Welt muss diese Frau hier auf einer Bühne für Talente stehen? Sie würde mit ihrer Show spielend so manchen Star uralt aussehen lassen. Alice Phobe Lou hat ab sofort einen neuen Fan!

 

Für den Mittwoch war eine kleine Reise ins Lavaux geplant, so nennt sich die Region oberhalb des Genfersees zwischen Vevey und Lausanne. Es war Gewitterhaft und ich hoffte auf tolles Licht. Es wurde vor allem eine Reise mit wenigen Fotos. Immer stimmte irgendetwas nicht. Mal das Licht, mal die Perspektive. Vielleicht lag es auch an mir. Viele Stunden unterwegs und ein gutes Bild. Aber ich habe die Gegend ein wenig erkundet und plane einen zweiten Versuch im Herbst, wenn die Traubenernte kurz bevorsteht. Einige der Filmsimulationen habe ich an diesem dritten Tag wieder verworfen. Teilweise sind mir die bearbeiteten Bilder aus der Kamera etwas zu unnatürlich. Aber ich weiss jetzt wenigstens, an welchen Parametern ich schrauben kann. Die Filmsimulation Classic Chrome ist definitiv eine spannende Sache. Man muss nur etwas mit den Schatten aufpassen. Sehr schnell verliert man zu viel Zeichnung in den dunklen Bildbereichen. Belohnt wird man mit ruhigen Bildern, die das gewisse Etwas ausstrahlen.

Am Abend war wieder Konzertfotografie angesagt. KT Gorique und Seriously Serious sind zwei schweizer Act’s die unterschiedlicher nicht sein könnten. Ich hätte mir aufgrund des Lichts lieber die umgekehrte Reihenfolge gewünscht. KT Gorique ist eine Schauspielerin und Rapperin. Ich wusste, dass das helle Sonnenlicht und die schnellen Bewegungen eine schwierige Aufgabe werden würden. So war es auch! Zudem war das Publikum sehr euphorisch, ich musste also zusehen, dass ich einen guten Blickwinkel finden würde. Mit dem Resultat bin ich einigermassen zufrieden. Für Seriously Serious hatte ich meine Fuji dabei und wollte mal sehen, wie ich mit ihr zurechtkomme. Die Kamera ist nicht sehr einfach, wenn es um’s fokkusieren geht. Ein bisschen Übung brauche ich noch. Ich werde sie in den kommenden Monaten immer mal wieder einsetzen um zu lernen, damit richtig umzugehen.

Der Donnerstag sollte mein Fotoruhetag werden… aber so ganz habe ich es dann doch nicht geschafft. Ich nahm die kleine Fuji X100F mit und habe einige Street und Landschaftsbilder mit der Acros Filmsimulation gemacht. Ich bin immer wieder erstaunt wie stimmungsvoll diese Simulation ist. Gerade bei Sonneneinstrahlung sind Bilder in Graustufen oft spannender.

 

Der Abend gehörte dann James Blake. Ich hatte mir Karten für das Konzert im Jazz Lab gekauft. Es ist schon sein dritter Auftritt in Montreux. Es war für mich ein sehr spannendes Konzert. Seine Songs begleiten mich seit fast 10 Jahren und einige meiner Favoriten darf ich an diesem Abend auch hören und geniessen. Auch an diesem Abend schwingt Vorfreude mit, da er im November in Zürich auftreten wird. Genauso wie bei Alice Phoebe Lou habe ich auch für ihn eine Akkreditierung für Konzertfotos. Die Bilder findet ihr wie immer hier!

Und schon ist es Freitag und meine Fotoreise ist vorbei. Ich bleibe zwar bis am Sonntag Abend, aber die letzten 3 Tage gehören Claudy und mir. Die Fotografie hat jetzt mal für drei Tage Pause. Naja, nicht ganz. Einige Foto’s habe ich auch an diesen Tagen gemacht. So ganz ohne Kamera gehe ich dann doch nicht aus dem Haus…

Fotografisch hat mich meine Reise nicht wirklich weiter gebracht. Foto’s direkt aus der Kamera in JPEG zu verwenden und die entsprechenden Filmsimulationen von Fuji zu nutzen ist ein interessanter Ansatz. Dennoch überzeugen mich die Resultate nicht ganz. Ich finde es zwar spannend direkt mit den Filmsimulationen zu fotografieren, aber auf die RAW Daten möchte ich dann doch nicht verzichten. Ich habe mit folgendem Workflow meinen Frieden gemacht: ich entscheide mich lediglich für S/W oder Farbe und wähle dafür drei Hauptrezepte aus. Bei S/W ist es Acros und bei Farbe Classic Chrome oder Pro Neg. Hi für Portraits. Anschliessend bearbeite ich die Bilder im Capture One und entscheide mich erst dann endgültig für eine Filmsimulation. Was mir auch sehr gefällt, ist z.B. für eine Bildreportage mit einer speziellen Simulation zu arbeiten. So bekommen alle Bilder einen einheitlichen Look.

Sehr gerne zeige ich euch die besten Bilder aus der Montreux-Woche. Ich freue mich, wie immer über Kommentare und Anregungen.

copyright www.cd-photography.net

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